Warum eigentlich "Kampfhund" ?!?

 

 

Man hat noch nie einen Hund gesehen, der von Geburt an kämpfen wollte.

Jeder Welpe ist von Natur aus ein kleines,

schutzbedürftiges Wesen, das Wärme,

 Nähe und Liebe genauso braucht, wie die Milch seiner Mutter.


Es ist doch nicht der Hund, der gefährlich IST, es IST der Mensch.

Denn der Mensch macht doch erst aus dem Hund den Kampfhund.

Die Bestie ist hier nicht der Hund,

DIE BESTIE IST DER MENSCH!

 

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Er will nur spielen

So genannte Kampfhunde sind in Tests nicht aggressiver als der nette Golden Retriever

Taucht ein Bullterrier auf, schlucken wir leer vielleicht will der Köter ja nicht bloss spielen. Denn «Kampfhunde» geniessen nicht den besten Ruf. Sie gelten als nervös und beisswütig. Darum existieren etwa in den Kantonen Genf, Wallis und Basel so genannte Rassenlisten, die den Besitz von «potenziell gefährlichen Hunden» streng regeln.

Doch die üble Reputation und die Rassenlisten haben keine wissenschaftliche Basis. Selbst die Bezeichnung «Kampfhund» ist kein kynologischer Begriff. So zeigen neuere Studien, dass die Aggressivität eines Hundes nicht von seiner Rasse abhängt, sondern von der Art und Weise, wie er gezüchtet und gehalten wird. Fazit: Ein Bullterrier kann zahmer sein als ein Golden Retriever.

Um den Charakter eines Hundes zu bestimmen, benützen Tiermediziner verschiedene «Wesenstests». Eine der umfangreichsten Studien mit 415 Kampfhunden haben Forscher an der Tierärztlichen Hochschule Hannover durchgeführt. Sie untersuchten die vierbeinigen Probanden zuerst medizinisch, um sicher zu sein, dass sie gesund und nicht unter Beruhigungsmitteln zum Test antraben. Dann mussten sie sich bewähren: Jogger rannten auf sie zu, Betrunkene bedrohten sie, oder die Tiere mussten angebunden warten und Passanten ignorieren.

Selbst in der Beissstatistik sind nicht Kampfhunde führend

So konnten die Veterinärmediziner zeigen, dass sich die Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pitbullterrier, Dobermanns und Rottweiler zu 95 Prozent tadellos verhielten. Damit schnitten sie genau gleich gut ab wie die Kontrollgruppe mit den Familienhunden Golden Retriever. Alles in allem waren gar die Bullterrier die bravsten Hunde. «Die waren so friedlich, dass wir sie jetzt nochmals untersuchen», sagt Studienleiter Hansjoachim Hackbarth.

Ein Wesenstest gibt keine Garantie, dass ein Tier im Ernstfall nicht doch zuschnappt. Aber selbst in der schweizerischen Beissstatistik sind nicht die Kampfhunde führend: Von den rund 500 000 Hunden hier zu Lande sind Schäfer und Rottweiler überdurchschnittlich bissig. Bei Unfällen mit fremden Kläffern fallen auch die Sennenhunde negativ auf. Alle drei Rassetypen werden als Bewacher gezüchtet und ausser dem Rottweiler tauchen sie nie auf einer Rassenliste auf.

«Das andere Ende der Leine ist das, was wirklich zählt»

Auch wenn Kampfhunde im Test nicht angriffiger sind als Familienhunde, einen Unterschied gibt es doch: Beissen sie zu, ist der Schaden wegen ihrer kräftigen Kiefer in der Regel grösser, als wenn ein Pekinese zuschnappt.

Unbestritten ist auch, dass Aggression bei allen Hunden zur genetischen Grundausstattung gehört. Mit einer gezielten Zucht kann man die Aggressivität steigern oder aber die Friedfertigkeit fördern.

Letzteres belegt ein Experiment in Sibirien, wo seit 1959 Füchse gehalten und die zahmsten fortlaufend verpaart wurden. Über Generationen hinweg liessen die Füchse Menschen, ohne sie zu beissen, immer näher an sich heran. Und sie lernten, ihre Gesten zu lesen eine Fähigkeit, die typisch für Hunde ist und selbst von Menschenaffen unerreicht bleibt.

Umgekehrt kann man Hunde auf Kampftüchtigkeit trimmen. Im 18. Jahrhundert hatten Tierkämp fe in England ihre Blütezeit. Besonders populär war, Stiere gegen eigens gezüchtete Hunde die Bulldogs antreten zu lassen. Die Viecher verbissen sich in der Nase der Bullen und zwangen sie in die Knie. Kamen sie den Hörnern zu nahe, wurden sie bis zu 15 Meter weit weggeschleudert.

Als 1835 das blutrünstige Vergnügen verboten wurde, verlagerten sich die Kämpfe in die Illegalität der Hinterhöfe. Die dafür gezüchteten Hunde waren kleiner und wendiger. Beliebt war etwa das Ratkilling, ein Wettbewerb, bei dem ein Bullterrier Rekordhalter sein soll: 1869 habe er in weniger als drei Minuten 60 Ratten massakriert.

«Historisch bedingte Unterschiede zwischen Hunderassen lassen sich heute noch beobachten», sagt Thomas Althaus. Der Zoologe leitet die Fachstelle für Zuchtförderung und Zuchtentwicklung bei der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft in Bern. Doch Aggressivität sei nicht nur den Kampfhunden abverlangt worden: «Dackel wurden einst gezüchtet, um unter der Erde zu jagen. Sie mussten Dachse aus dem Bau treiben. Wenn ein Tier den Schwanz einzog, wurde es kaum zur Zucht zugelassen», sagt Althaus.

Schliesslich haben die Verbote von Tierkämpfen gegriffen. Für die Hunde wurden ästhetische Zuchtkriterien definiert, ihr Wesen soll ausgeglichen sein. «Heute», sagt Hansjoachim Hackbarth von der Tierärztlichen Hochschule Hannover, «sind das reine Ausstellungstiere.»

Dass die Kampfhunde ihre streitbare Natur weit gehend verloren haben, liegt laut Hackbarth auch daran, dass nur ein geringer Teil des Verhaltens genetisch bedingt ist. Gerade mal für 8 bis 12 Prozent sei das Erbgut verantwortlich, schätzt Hackbarth. «Der Rest sind Umwelteinflüsse.» Und da komme der Mensch ins Spiel: «Das andere Ende der Leine ist das, was wirklich zählt.»

Und das wären Aufzucht und Haltung. Wie wichtig ein tiergerechtes Umfeld ist, zeigte 2003 eine Umfrage in Melbourne. Dort werden Hunde häufig in Backyards, den kleinen Grünflächen hinter den Einfamilienhäusern, gehalten. Das Ergebnis: Je grösser das Tier und je kleiner der Backyard, desto schlechter die Manieren. Die Hunde sprangen Leute an oder bellten endlos.

Auch bei uns hätten viele Hunde zuwenig körperliche und geistige Herausforderung, sagt Linda Hornisberger: «So können sie Stress nicht abbauen.» Die Tierärztin bildet Leute aus, die Welpenspielgruppen leiten. Die Junghunde sollen Tiere und Menschen kennen lernen. «Dann können sie später Konflikte spielerisch lösen.» Das zeigt eine englische Studie aus dem Jahr 2002: Hunde, die in den ersten sechs Lebensmonaten wenig Kontakt zu Menschen hatten, reagierten in einem städtischen Umfeld vermehrt mit Aggression auf fremde Leute.

Rassenlisten nützen gegen Problemhunde kaum

Zentral ist auch die Erziehung. Eine Umfrage in Grossbritannien kam letztes Jahr zum Schluss, dass Hunde, die häufig mit Bestrafungen erzogen wurden, eher Verhaltensauffälligkeiten zeigten. Hunde hingegen, die für korrektes Verhalten belohnt wurden, waren folgsamer.

«Gerade bei Hunden, die illegal zum Kämpfen abgerichtet werden, spielen mangelnde Sozialisierung und brutale Bestrafungen eine zentrale Rolle», sagt Dennis Turner, Direktor des Instituts für angewandte Ethologie und Tierpsychologie (IET) in Hirzel. Aus seiner früheren zehnjährigen Tätigkeit am Tierspital Zürich weiss er: «Die extrem seltenen Fälle von aggressiven Hunden stammten allesamt aus dem Rotlichtmilieu.»

Problemhunde könnten mit Rassenlisten kaum verhindert werden. Die Listen helfen auch wenig, um potenziell gefährliche von ungefährlichen Individuen zu unterscheiden. Deshalb hat das Bundesamt für Veterinärwesen bereits im Jahr 2000 davon abgeraten, Restriktionen gegen einzelne Hunderassen vorzunehmen.

 

Quelle: Sonntagszeitung

© Tamedia AG

 


Letzte Aktualisierung : Sonntag, 09. März 2014 01:58:08

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